Keine Elite-Uni in Dahlem – Berliner Studierende können sich freuen

Der gestrige Tag bedeutete eine schwere Niederlage für all diejenigen, die aus der FU eine sogenannte „Elite-Uni“ machen wollten. München und Karlsruhe haben die Nase vorn, Dieter Lenzen and Company gehen leer aus. Was sollen wir Studierenden nun davon halten, dass wir doch nicht „Elite“ werden? Wir von SEMTIX meinen: Wir sollten froh über die Entscheidung sein. Denn eine „Exzellenz-Uni“ FU hätte uns Studierenden nur Nachteile gebracht. Martin Kaul bringt es in seinem Kommentar in der taz ganz gut auf den Punkt, wer denn wirklich von einer Entscheidung „pro Berlin“ profitiert hätte:

Der FU entgeht nun zweierlei: erstens Dutzende Millionen – zweitens ein flottes Label, das sich Präsident Lenzen, der wie kein anderer für eine wirtschaftsnahe Neuausrichtung der Universität steht, gewünscht hätte.
Was für die Uni schlecht ist, ist in diesem Fall für die Studierenden gut. Die zweistelligen Millionenbeträge, die der FU nun durch die Lappen gehen, wären ihnen ohnehin bestenfalls im Imagegewinn ihrer FU-T-Shirts begegnet. Denn – das wird in der Debatte um Exzellenz und Elite vergessen oder verschwiegen – die Exzellenzinitiative fördert Forschung und nicht Lehre. Sie hat kaum einen Effekt auf die nach wie vor miserablen Studienbedingungen und deren soziale Selektionsmechanismen. […] Eine Krönung der FU zur Elite-Uni wäre eine Bestätigung der Linie des Präsidenten. Der, selbst engagiert in der neoliberalen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, sucht die einst „Freie“ Universität zu einem Dienstleistungsunternehmen für Wissenschaftsproduktion zu machen. Freilich: Die Entscheidung gegen die FU ist noch keine Absage an sein Modell. Aber sie bietet den Studierenden Raum, auf das eigentlich Fatale – eine völlig fehl laufende Hochschulpolitik – aufmerksam zu machen.

Die Einschätzung des taz-Autors teilt auch unser AStA. Die Studierendenvertretung der FU reagierten mit einer Presseerklärung auf die Entscheidung:

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der FU nimmt die Entscheidung des Wissenschaftsrates und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (FDG) zum Ausscheiden der Freien Universität im Rahmen der Exzellenzinitiative mit Freude und Erleichterung zur Kenntnis. Der AStA der FU lehnt den Elitewettbewerb zwischen den Hochschulen aufgrund des dahinterstehenden elitären Gesellschaftsverständnisses und der zu fürchtenden Folgen für Studierende und Wissenschaft generell ab.

Bleibt nur zu hoffen, dass der von Präsident Lenzen forcierte Kurs, die FU schrittweise in ein reines Forschungs- und Ideenzentum für die deutsche Wirtschaft umzubauen einen Dämpfer erhalten hat. Wir Studierenden hätte eine wirklich freie Universität nämlich verdient.