Pflaume des Monats (November): Gerd Appenzeller

Ab sofort wollen wir von SEMTIX jeden Monat eine wenig schmeichelhafte Auszeichnung vergeben: die Pflaume des Monats. Damit „ehren“ wollen wir all diejenigen, die durch besonders dämliche Bemerkungen oder Vorschläge Rund um „unsere“ Themen Semesterticket, Hochschule und Studiengebühren aufgefallen sind. Den Anfang macht im November Gerd Appenzeller. Der Redakteur des Berliner Tagesspiegels hat diese Woche einen besonders dreisten und wenig durchdachten Kommentar zur Berliner Hochschulandschaft verfasst. Wir dokumentieren hier den wohl plumpesten Versuch die Einführung von Studiengebühren zu rechtzufertigen und herbeizuschreiben seit langem:

Dass Berlin aber auf die Erhebung von Studiengebühren verzichten will, birgt eine große Gefahr. Wenn in anderen Bundesländern mit anerkannt leistungsstarken Universitäten künftig Studiengebühren erhoben werden, könnte sich nach Berlin bald ein Studentenstrom bewegen, der nicht wegen der Qualität der Hochschulen, sondern wegen des kostenlosen Angebotes kommt. Das aber kann auf Dauer zur Bedrohung der Hochschullandschaft werden.

Laut Gerd Appenzeller ist es also gefährlich keine Studiengebühren in Berlin einzuführen, weil es sonst viele junge Menschen zum Studium hier her ziehen würde. Der Autor abstrahiert dabei aber ganz geschickt von der Tatsache, dass Berlin sowieso schon Traumziel für viele Studierende ist, die regelmäßig hohen Bewerbungszahlen beweisen das. Worin besteht nun die Gefahr, wenn es noch mehr junge Menschen aus dem konservativen Teil der Republik ins einigermaßen studierendenfreundliche Berlin zieht? Das die NCs dann noch viel höher werden und als Resultat vielleicht nur Menschen mit einem Abidurchschnitt von 1,0 an Berliner Hochschulen angenommen werden, dürfte einen „Leistungs-Ideologen“ wie Appenzeller wohl kaum stören. Der Verdacht liegt Nahe, dass der Journalist einfach ideologisch argumentiert und nach Argumenten für die Einführung von Studiengebühren sucht, so haarstreubend diese auch sein mögen. Wir Berliner Studierenden dagegen lehnen diese aus gutem Grund ab und freuen uns, dass wir auch in Zukunft davon verschont bleiben. Denn Studiengebühren sind unsozial und bringen uns nix als Frust und Ärger. Wie man die attraktiven sozialen Rahmenbedingungen für Studierende (zumindest im Vergleich zu anderen Teilen der Republik) als „Bedrohung der Hochschullandschaft“ deuten kann, wird deshalb wohl das Geheimnis von Gerd Appenzeller bleiben. Die Pflaume des Monats hat er sich auf jeden Fall redlich verdient.