Bachelor eine Banalität des Bösen?

Unleibsame Kritik wird an der FU im Allgemeinen und am OSi im Besonderen, gerne im Keim erstickt. Auch im Fall des Offenen Briefes von Wolf-Dieter Narr und Peter Grottian soll das nun anscheinend versucht werden, wie die taz heute berichtet. Inhaltliche Kritik wird von den Verantwortlichen für die Bachelor-Katastrophe dabei allerdings nicht geübt, es ist nur die Form des Aufrufs, die kritisiert wird. Der Verdacht liegt nahe, dass den Argumenten der „alten Haudegen“ nicht ernsthaft etwas entgegensetzt werden kann:

Nach einem kritischen Artikel über Bachelor-Studiengänge in der taz geraten die Autoren – die FU-Politikprofs Grottian und Narr – am eigenen Institut unter Druck. Dessen Chef fordert sie auf, sich für ihre Thesen zu entschuldigen

Mit einem „Aufschrei“ in der taz wollten die Politik-Professoren Peter Grottian und Wolf-Dieter Narr die Studierenden wecken – und zum Boykott von „macdonaldisierten“ Bachelor-Studiengängen aufrufen. Doch während sich bei denen wenig regt, empört sich die ProfessorInnenschaft des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft (OSI) der Freien Universität (FU), an dem Grottian und Narr lehren. Äußerst wachsam reagierte etwa Peter Massing, Geschäftsführender Direktor des OSI: In einem Brief an alle Mitglieder des Instituts forderte er die Autoren auf, sich öffentlich für ihre Äußerungen in der taz zu entschuldigen. Zuvor hatte das FU-Präsidium Grottian gegenüber telefonisch den Artikel missbilligt.

Sie bezeichneten das Kurzstudium als einen „systematischen Vorgang des Entlernens“ durch „repressiv-präventive Anreiz- und Abstoßungssysteme“. Die Bachelor-Studiengänge seien „bildungspolitische Verbrechen“, durch die die Studierenden „entbildet“ würden. Diese „Prozesse des Entlernens“ seien geprägt von einer „Vorstufe der ,Banalität des Bösen‘“. Insbesondere die letzte Formulierung sorgt für Aufregung. Der Begriff „Banalität des Bösen“ stammt von Hannah Arendt. Im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Adolf Eichmann 1961, einen der hauptverantwortlichen Organisatoren des Holocausts, hatte sie mit dem Begriff auf die vermeintliche Banalität etwa der „schier gedankenlosen“ bürokratischen Folgsamkeit hingewiesen, die Mitursache am Völkermord an sechs Millionen Juden gewesen sei. Dies auf die Konstitution des Hochschulwesens zu beziehen, hielt OSI-Direktor Massing gegenüber der taz für einen „unsäglichen Vergleich“, der nicht hinnehmbar sei.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Thesen Narrs und Grottians, findet am OSI aber offensichtlich nicht statt. Beim Schreiben des Institutsdirektors handelt es sich tatsächlich um einen „plumpen Versuch, die Vorwürfe, mit denen sich die Professoren auseinandersetzen müssten, einfach wegzudrücken“ (Narr). Anstatt aus der Kritik der erfahrenen Hochschullehrer die entsprechenden Lehren zu ziehen reagieren „Jungprofessoren“ wie Klaus Segbers völlig unsachlich auf die Analyse der Hochschullehrer:

„Den beiden sind die revolutionären Garden abhanden gekommen, die es hier möglicherweise mal gegeben hat“, so OSI-Prof Klaus Segbers: „Professoren meiner Generation haben keine Zeit, sich mit solchen Debatten zu beschäftigen.“

Statt dessen beschäftigt sich seine Professoren-Generation lieber mit unsäglicher 0815-Wissenschaft. Klaus Segbers ist ein gutes Beispiel für eine völlig unkritische und verflachte Lehre ohne Substanz, die inzwischen leider typisch für das Otto-Suhr-Institut geworden ist. Die Leittragenden sind wir Studierenden, die unter der Verschulung der Lehre leiden müssen.