Archiv für Dezember 2006

„Ja, schreiben kann der“ – Pamuk wird Ehrendoktor an der FU

Wie die Unileitung bekannt gab, wird Orhan Pamuk zum Doktor ehrenhalber an der Freien Universität ernannt:

Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk erhält Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin. Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk wird Ehrendoktor der Freien Universität Berlin. Das hat der Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften beschlossen. Mit der Auszeichnung ehrt der Fachbereich den 54-Jährigen als Ausnahmeerscheinung der Weltliteratur. Die akademische Feier findet Anfang des Jahres 2007 statt. Über Einzelheiten der Veranstaltung werden wir die Journalisten und interessierte Öffentlichkeit rechtzeitig informieren.

Er reiht sich damit in eine wahre Promi-Riege ein. Für alle die es schon immer mal wissen wollten, die Ehredoktoren und Doktorinnen (einige wenige Frauen sind tatsächlich auch darunter) der FU:

* Theodor W. Hänsch (2006)
* Marcel Reich-Ranicki (2006)
* Günter Grass (2005)
* Imre Kertész (2005)
* Carlos Fuentes (2004)
* Klaus Töpfer (2002)
* Kofi Annan (2001)
* Umberto Eco (1998)
* Robert Kennedy (1964)
* Walter Gropius (1963)
* Eleanor Lansing Dulles (1957)
* Lise Meitner (1956)
* Lucius D. Clay (1953)
* Theodor Heuß (1949)

Semesterticketbüro – „Anträge für das Sommersemester 2007 können gestellt werden“

Auf Anfrage hat SEMTIX vom Semesterticketbüro des AStA folgende Infos bekommen, die wir gerne publik machen:

Anträge auf Befreiung von der Beitragspflicht zum Semesterticket und Anträge auf Zuschuss aus dem Sozialfonds für das Sommersemeseter 2007 können ab sofort gestellt werden.

Antragsfrist für Befreiungsanträge ist grundsätzlich der Rückmeldeschluss, für das SoSe 07 also der 18. Februar 2007.

Ende der Antragsfrist für Zuschussanträge für das jeweilige Semester ist immer vier Wochen nach Rückmeldeschluss, für das SoSe 07 also der 18. März 2007.

Wir danken dem Semesterticketbüro für die geleistete Arbeit im vergangenen Jahr. Die Mitarbeiterinnen des AStA-Büros haben sich, nach allem was wir gehört haben, stehts durch einen freundlichen und kompetenten Service hervorgetan. Das soll, als das Büro noch im Zuständigkeitsbereich des Studentennwerkes war, ganz anders gewesen sein. Es hat sich also wieder einmal gezeigt, dass Service und Beratung an der Uni am besten von „Studis für Studis“ funktioniert. Wir von SEMTIX werden uns auch im neuen Jahr weiter für dieses Konzept Stark machen.

Mind Your Head! – Workshops am OSI

Auf folgende Veranstaltung wurden wir aufmerksam gemacht:

Unter dem Motto: Mind your Head! Kritik der universitären Vernunft – gegen UNIformierung finden am Freitag den 15.12.2006 verschiedene Workshops im Otto-Suhr-Institut (Ihnestr. 22, U-Bhf Thielplatz ) und anschließend eine Party nebenan im Roten Cafe (Harnackstrasse 1a) statt.
Das Plenum Rotes Cafe, ein unipolitikunabhängiger Zusammenschluss kritischer Studierender, möchte ein Zeichen setzen gegen die inhaltliche Verflachung und den disziplinatorischen Wahn in der Lehre, wie sie mehr und mehr beobachtbar werden. Der Abend soll zeigen, dass studentische Kritik der Lehrinhalte und -verhältnisse nicht nur nötig ist, sondern tatsächlich auch geübt wird.

Wir von SEMTIX empfehlen: Hingehen und mitdiskutieren. Wäre schön wenn ein studentischer Austausch über Lehrinhalte zustande kommen würde. Mehr Infos gibts hier.

AStA, Mensa und co. – Öffnungszeiten in den Weihnachtsferien

Wir von SEMTIX haben für euch recherchiert, was die Öffnungszeiten einiger wichtiger „Instituationen“ auf dem Campus während der Winterferien betrifft.

Bei den Mensen sieht es folgendermaßen aus: Während die große Mensa und die Mensa in Lankwitz vom 27.-29.12. geschlossen haben, bleibt die kleine Mensa durchgehend geöffnet. Am 2. Januar geht es dann wieder ganz normal mit dem Betrieb weiter.

Das Semesterticketbüro hat in den Akademischen Weihnachtsferien
vom 22. Dezember 2006 bis zum 8. Januar 2007 geschlossen. Der Breifkasten wird übrigens auch zwischen den Jahren regelmäßig geleert.

Der AStA FU steht euch bis einschließlich 22.12. zur Verfügung und beginnt seine Arbeit wieder am 02.01.07.

Haltet den Dieb? – FU Dozent läßt Student aus Seminar abführen

Stellt euch mal folgende Situation vor:

Euere Uni-Seminar geht noch eine halbe Stunde, ihr freut euch schon aufs wohlverdiente Essen in der Mensa, da geht auf einmal die Tür zum Seminar-Raum auf. Ein bekannter Dozent am Institut steht in der Tür und hinter ihm deutlich zu sehen zwei Polizeibeamte. Die Polizei sei am Institut, so der Mann, denn es sei in letzter Zeit vermehrt zu Diebstählen gekommen. Es sei deshalb nötig stichprobenartige Befragungen durchzuführen, erklärt der Dozent den verdutzten Studierenden. Zielsicher zeigt er auf einen bestimmten Studenten und fordert ihn auf, er möge doch mal mitkommen. Der Seminarleiter und die Studierenden bleiben total verdattert zurück. Klar war nur eins: von einer „Stichprobe“ konnte nicht die Rede sein, ein Kommilitone wurde gezielt aus dem Seminar „gezerrt“. Nach fünf Minuten war der Student dann wieder zurück im Seminar und gab an von der Polizei als Verdächtiger bezüglich der Diebstahlserie verhört worden zu sein. Begründung: er sei ähnlich groß wie der gesuchte Täter und habe das entsprechende Alter. Grund genug ihn einfach mal aus dem Seminar abzuführen und zu verhören?!? So passiert vor knapp zwei Wochen am Institut für Soziologie. Die Studierenden in dem Seminar haben dies nicht auf sich sitzen lassen und einen Brief an den Institutsdirektor Gerhardts geschrieben, den wir hier dokumentieren wollen (Wir denken, das Seminar hat nichts dagegen, dass wir diesen Fall öffentlich machen, den Öffentlichkeit hat er wahrlich verdient) :

Sehr geehrter Herr Gerhards,

Wir die Teilnehmer des Seminars „Emile Durkheim“ fühlen uns sehr befremdet durch folgenden Vorfall: Am 27.11.06. gegen 13:10 Uhr öffnete ihr Assistent Herr Holger Lengfeld in Begleitung zweier Polizisten die Türe und forderte einen Studenten auf als „Stichprobe“ mit ihm zu kommen um eine Aussage („Befragung“) bezüglich der Diebstähle im Institut zu machen. Auch wenn wir alle die Diebstähle verurteilen, so fragen wir uns doch, ob es notwendig und angemessen war, ein Seminar zu sprengen, um die „Befragung“ durchzuführen. Auch wenn uns der Begriff der Stichprobe aus dem Studium bekannt ist, so wundern wir uns doch daß jemand unter diesem Vorwand zu einem Verhör am Institut für Soziologie aus dem Seminar herausgeholt wurde. Ebenfalls stellen wir uns die Frage welchen Stellenwert noch Seminare an unserem Institut haben, wenn sie jederzeit durch polizeiliche Maßnahmen mit Hilfe von Institutsangehörigen gestört werden können. Wir stellen deshalb die Frage ob vielleicht Gefahr in Verzug war, der diese Maßnahme legitimieren würde. Mit freundlichen Grüßen, das Seminar „Emile Durkheim“

Zwar nahm niemand im Seminar an, dass der Beschuldigte etwas mit den Diebstählen zu tun hatte. Doch ein bittere Nachgeschmack bleibt. Wir von SEMTIX haben uns verschiedenes gefragt: Warum wurde ein Einzelner vor allen Kommilitonen und dem Dozenten auf diese unsägliche Weise kriminalisiert? Was hat die Polizei überhaupt auf einem Uni-Campus verloren? Warum werden Menschen in Räumen verhört, die eigentlich der Wissenschaft vorbehalten sein sollten? Warum konnte nicht wenigstens das (nahe) Ende des Seminars abgewartet werden? Es ist nun an der Zeit, das der Institutsdirektor Gerhards schnellst möglich Antworten auf diese Fragen liefert.

Neue Internet-Plattform – Die Fachschaftsinitiativen an der FU stellen sich vor

Es gibt eine neue spannende Internet-Plattform, die (fast) alle Studierende an der FU interessieren dürfte.

Auf www.fachschaftsinitiativen.de.vu stelle sich jetzt eure Fachschaftsinis der studentischen Öffentlichkeit vor. Die Inis sind in der Regel die kompetenten Ansprechpartner an den jeweiligen Instituten. Die Leute von den FSIs vor Ort können euch Fragen beantworten wie: Welche Studienordnung gilt eigentlich für mich? Wann hat unser studentisches Café geöffnet? Welche Beratungen bietet der AStA? Mit welchem Prof kann man reden? und und und. Das es nun eine gemeinsame Plattform für alle Initiativen gibt ist spitze. Denn in vielen Fällen sind die Infos von einem Fachbereich, auch für Studis von einem anderen Institut hilfreich. Wir von SEMTIX können euch die Inis nur empfehlen, am bestens ist es wenn sich so viele Studierende wie möglich selbst in ihnen engagieren. Unsere VertreterInnen im Stupa arbeiten in den aller meisten Fällen hervorragend und konstruktiv mit den Ini-Leuten zusammen. Doch ins Stupa wählen solltet ihr natürlich trotzdem uns, denn nur wir sind: Stark fürs Semesterticket!

Kooperation mit Shoah Foundation Institute – „FU zeigt Videoarchiv des Schreckens“

Aus einer aktuellen Pressemitteilung der Freien Universität:

Die Freie Universität Berlin erhält als erste Institution außerhalb der Vereinigten Staaten einen elektronischen Zugang zum Archiv des „Shoah Foundation Institute for Visual History and Education“ der University of Southern California (USC). Das Archiv umfasst fast 52.000 Video-Interviews mit Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust in 32 Sprachen und aus 56 Ländern. Dieses historische Video-Archiv gilt als größtes seiner Art weltweit.

Die taz macht in einem Artikel vom vergangenen Diesnstag deutlich, was darüber hinaus das Besondere an dem Online-Archiv ist:

Doch weit mehr als die Forschung wird die Lehre und Vermittlung von Wissen über den Holocaust profitieren. Der Zugriff über Stichworte ermöglicht Studenten und Interessierten ideale Bedingungen zu recherchieren, sich selbst ein Bild zu machen und die Aussagen der Überlebenden mit historischen Erkenntnissen abzugleichen. Der Wert des Archivs, so FU-Professor Hajo Funke, liegt in der „opferzentrierten Perspektive“.

Doch laut Stefan Reinecke von der taz gibt es auch drei „kritische Punkte“:

    Erstens. „Eine wesentliche Einschränkung ist die Sprache. Gut die Hälfte der 52.000 Zeitzeugen sprechen englisch, 900 deutsch, etwa 7.000 russisch, mehr als 6.000 hebräisch. Es gibt weder schriftliche Übersetzungen noch Untertitel. Somit kann, wer deutsch und englisch spricht, nur die Hälfte nutzen.“

Zweitens ist die Zugänglichkeit auf die FU beschränkt. Dass das Material nicht frei im Internet zur Verfügung steht, liegt nicht nur an der enormen Datenmengen und technischen Überforderungen. Es gilt auch, so Douglas Greenberg, die Privatsphäre jener zu schützen, über die Zeitzeugen sprechen. Eine „wilde Nutzung“ (FU-Präsident Lenzen) soll es nicht geben, auch um zu verhindern, dass Holocaustleugner das Material verfälschen. Ob private Interessenten Zugang bekommen, ist noch offen.“

    Drittens fragt sich, ob dieses Projekt nicht zu einer Überschätzung des Bildes und des Subjektiven führt. Die Aussagen der 52.000 Zeitzeugen sind, so Greenberg, nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft worden. Die Interviews sind nicht bearbeitet und geschnitten. Ihr Wert ist die Authentizität – und dies auch ihre Grenze. Es sind Quellen, die, wie alle historischen Dokumente, nur im kritischen Vergleich aussagekräftig sind.“

Internetportal unter Beschuss – Studierendenvertreter kritisieren“StalkiVZ“

Nachdem das sich das Internetportal „StudiVZ“ in den letzten Wochen schon den Unmut von Studierenden, Bloggern, Datenschützern und Journalisten zugezogen hatte, kam in den letzten Tagen auch noch massive Kritik von offiziellen Studierendenvertretern hinzu. Auch unser AStA meldete sich mit einer Pressemitteilung zu Wort. Diese Erklärung hat breite Wellen in den Medien gezogen. So wurde aus der PM unter anderem von der Süddeutschen Zeitung zitiert. Selbst das ZDF berichtete auf seiner Internetpräsenz heute.de:

Mittlerweile warnen einige Studentenvertretungen ihre Kommilitonen davor, StudiVZ zu nutzen. „Wegen der gravierenden Datenschutzmängel und sexistischer Vorfälle raten wir von einer Nutzung des StudiZV ab“, heißt es etwa in einer Erklärung des Allgemeinen Studierendenausschusses der Freien Universität Berlin. „Studierenden, die über Accounts verfügen, empfehlen wir, diese zu kündigen. Hierbei sollten sie unbedingt darauf bestehen, dass ihre Daten komplett gelöscht werden.“

Wir von SEMTIX waren Anfangs skeptisch, was die Kritik am StudiVZ betraf. Nicht wenige von uns haben selber einen Account bei dem Internetportal (gehabt). Eine unabhängige Plattform, um mit anderen Studis in Kontakt zu kommen fanden, wir eigentlich eine gute Idee. Die Vorwürfe haben uns deshalb überrascht und erschüttert. Inzwischen stehen wir dem Portal äusserst kritisch gegenüber. Stalking und sexuelle Belästigung sind keine Kavaliersdelikte, das so ein Verhalten von den Betreibern offentsichtlich gebiligt wurde finden wir (mit Verlaub) zum Kotzen. Die meisten Mitglieder von SEMTIX haben deshalb inzwischen ihren Account gelöscht. Das sich das StudiVZ als „StalkiVZ“ entpuppen wurde ist Schade. In Zukunft werden wir wohl wieder die klassischen studentischen Kommunikationsräume an der FU (Studi-Cafés, Cafeteria usw.) den weiten des Netzes vorziehen.

„Von uns kriegt ihr nix“ – Studierende boykottieren Studiengebühren

Gebührenboykott? Was ist denn das? Die Berliner Zeitung hat versucht Licht ins Dunkel zu bringen:

Studenten boykottieren Gebühren. Die Initiatoren hoffen, dass 400 000 Studenten ihre Zahlungen an die Hochschulen verweigern. […] Eine Hochschule nach der anderen schließt sich an.[…] 400 000 Studenten sollen im kommenden Jahr die Zahlung von Gebühren an die Unis verweigern, so das Ziel des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren (ABS). Denn in zwei Bundesländern müssen bereits jetzt 500 Euro pro Semester gezahlt werden. Fünf weitere folgen bis Herbst 2007. […] In manchen Ländern sehen sich die Gebührengegner schon recht weit mit ihrer Aktion. „Die Landes-ASten-Konferenzen in Niedersachsen und Baden-Württemberg haben den Boykott bereits beschlossen“, sagte der 30-jährige ABS-Geschäftsführer Fredrik Dehnerdt am Mittwoch der Berliner Zeitung. Das heißt, die Hochschulen des Landes werden sich flächendeckend beteiligen. An vielen Hochschulen anderer Länder fänden Vollversammlungen statt, so Dehnerdt. Diese gäben dem jeweiligen Allgemeinen Studenten-Ausschuss (AStA)ein „klares Votum“, sich zu beteiligen und den Boykott umzusetzen. Das Vorgehen sei überall gleich: Die Studenten zahlen ihre Gebühren von 500 Euro auf ein Treuhandkonto, das von einem unabhängigen Anwalt betreut wird. Dabei hofft man auf ein „Quorum“, eine Mindestquote teilnehmender Studenten. Diese liegt an den Hochschulen bei 20 bis 33 Prozent – eine kritische Masse, die verhindern soll, dass einzelne Studenten exmatrikuliert werden können. […] Hat der Boykott Erfolg, bekommen die Studenten ihr Geld zurück.

Das mit dem Gebührenboykott hört sich nach einem pfiffigen Konzept an. Noch besser ist allerding: Verhindern das überhaupt Studiengebühren eingeführt werden und das ist uns in Berlin ja bisher immer geglückt. Mehr Infos aus erster Hand gibts übrigens beim Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS).