Haltet den Dieb? – FU Dozent läßt Student aus Seminar abführen

Stellt euch mal folgende Situation vor:

Euere Uni-Seminar geht noch eine halbe Stunde, ihr freut euch schon aufs wohlverdiente Essen in der Mensa, da geht auf einmal die Tür zum Seminar-Raum auf. Ein bekannter Dozent am Institut steht in der Tür und hinter ihm deutlich zu sehen zwei Polizeibeamte. Die Polizei sei am Institut, so der Mann, denn es sei in letzter Zeit vermehrt zu Diebstählen gekommen. Es sei deshalb nötig stichprobenartige Befragungen durchzuführen, erklärt der Dozent den verdutzten Studierenden. Zielsicher zeigt er auf einen bestimmten Studenten und fordert ihn auf, er möge doch mal mitkommen. Der Seminarleiter und die Studierenden bleiben total verdattert zurück. Klar war nur eins: von einer „Stichprobe“ konnte nicht die Rede sein, ein Kommilitone wurde gezielt aus dem Seminar „gezerrt“. Nach fünf Minuten war der Student dann wieder zurück im Seminar und gab an von der Polizei als Verdächtiger bezüglich der Diebstahlserie verhört worden zu sein. Begründung: er sei ähnlich groß wie der gesuchte Täter und habe das entsprechende Alter. Grund genug ihn einfach mal aus dem Seminar abzuführen und zu verhören?!? So passiert vor knapp zwei Wochen am Institut für Soziologie. Die Studierenden in dem Seminar haben dies nicht auf sich sitzen lassen und einen Brief an den Institutsdirektor Gerhardts geschrieben, den wir hier dokumentieren wollen (Wir denken, das Seminar hat nichts dagegen, dass wir diesen Fall öffentlich machen, den Öffentlichkeit hat er wahrlich verdient) :

Sehr geehrter Herr Gerhards,

Wir die Teilnehmer des Seminars „Emile Durkheim“ fühlen uns sehr befremdet durch folgenden Vorfall: Am 27.11.06. gegen 13:10 Uhr öffnete ihr Assistent Herr Holger Lengfeld in Begleitung zweier Polizisten die Türe und forderte einen Studenten auf als „Stichprobe“ mit ihm zu kommen um eine Aussage („Befragung“) bezüglich der Diebstähle im Institut zu machen. Auch wenn wir alle die Diebstähle verurteilen, so fragen wir uns doch, ob es notwendig und angemessen war, ein Seminar zu sprengen, um die „Befragung“ durchzuführen. Auch wenn uns der Begriff der Stichprobe aus dem Studium bekannt ist, so wundern wir uns doch daß jemand unter diesem Vorwand zu einem Verhör am Institut für Soziologie aus dem Seminar herausgeholt wurde. Ebenfalls stellen wir uns die Frage welchen Stellenwert noch Seminare an unserem Institut haben, wenn sie jederzeit durch polizeiliche Maßnahmen mit Hilfe von Institutsangehörigen gestört werden können. Wir stellen deshalb die Frage ob vielleicht Gefahr in Verzug war, der diese Maßnahme legitimieren würde. Mit freundlichen Grüßen, das Seminar „Emile Durkheim“

Zwar nahm niemand im Seminar an, dass der Beschuldigte etwas mit den Diebstählen zu tun hatte. Doch ein bittere Nachgeschmack bleibt. Wir von SEMTIX haben uns verschiedenes gefragt: Warum wurde ein Einzelner vor allen Kommilitonen und dem Dozenten auf diese unsägliche Weise kriminalisiert? Was hat die Polizei überhaupt auf einem Uni-Campus verloren? Warum werden Menschen in Räumen verhört, die eigentlich der Wissenschaft vorbehalten sein sollten? Warum konnte nicht wenigstens das (nahe) Ende des Seminars abgewartet werden? Es ist nun an der Zeit, das der Institutsdirektor Gerhards schnellst möglich Antworten auf diese Fragen liefert.