Pflaume des Monats (Januar): „Studentensturm auf Berlin“ oder die seltsame Logik des Thilo Sarrazin

Unsere Pflaume des Monats im Januar: Finanzsenator Sarrazin. Der Hintergrund: Während sich in Gebühren-Ländern wie NRW immer weniger Studierende um einen Platz an den Unis bewerben, scheint der run auf Berlins Hochschulen ungebrochen. Wie der Tagesspiegel heute berichtet sieht sich der Berliner Finanzsenator Sarrazin nun genötigt den atraktiven Hochschulstandort Berlin künstlich unatraktiv zu machen: durch Studiengebühren!:

Die Nachricht des Statistischen Bundesamtes kam der nordrhein-westfälischen Landesregierung nicht gerade gelegen. Im vergangenen Jahr schrieben sich laut der Behörde zehn Prozent weniger Studenten an den Unis des Bundeslandes ein als 2005. Ein dramatischer Einbruch – und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem die schwarz-gelbe Koalition trotz heftiger Proteste Studiengebühren einführte und bei Studienanfängern auch gleich kassieren ließ. Die Studenten in NRW müssen nun bis zu 500 Euro pro Semester an ihre Uni zahlen. […]

In Berlin und Brandenburg bleibt das Studium gebührenfrei, vorerst. Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) fürchtet einen „Studentensturm auf Berlin“, wenn in der Hauptstadt ab 2008 nicht ebenfalls Gebühren eingeführt werden. Der Koalitionspartner PDS sieht die Lage zwar weniger dramatisch, stellt sich aber nicht mehr kategorisch gegen die Maßnahme. Im rot-roten Koalitionsvertrag heißt es: „Die Koalitionsparteien halten an einem diskriminierungsfreien Hochschulzugang fest. Für den Zugang darf es keine finanziellen Hürden geben.“ Ein klares Nein zu Studiengebühren ist das nicht.

Seltsame Logik bei Thilo Sarrazin: Berlins Hochschulen sind attraktiv wie nie. Die Studierenden drängen in die Haupstadt (was wohl in erster Linie am überragenden kulturelle Angebot plus „hippness-Bonus“ liegt und nicht an den Studienbedingungen). Eigentlich doch Grund zur Freude für den Finanzsenator und vielleicht ein Anlass mit dem Bund über Gelder für einen Ausbau an Studienplätzen für die Hauptstadt zu verhandeln.
Doch Sarrazin schlägt das Gegenteil vor: potentielle Studierende abschrecken durch die Einführung von Studiengebühren! Damit es ja auch niemand mehr wagt daran zu denken, auch nur einen Fuß in FU, HU und co. zu setzen. Was denkt sich Sarrazin bloß dabei? Eine absolute Fehlbesetzung der Mann und deshalb unsere Pflaume des Monats Januar.