Archiv für Februar 2007

Was ist denn da los? – Zöllner lobt den AStA

Einen studierenden freundlicher AStA zu haben ist Gold wert. Eine selbstverständlichkeit eigentlich sollte man meinen. Bisher war es das an den Berliner Hochschulen auch. Doch an der TU sind seit kurzem die Rechten am Ruder.

Die ASten setzten sich mal mehr mal weniger öffentlichkeitswirksam für die Interessen der Studierenden ein. Unterstützten studentische Initiativen, stellten Beratungsangebote zur Verfügung, organisierten politische und kulturelle Veranstaltungen, Partys etc. Das die ASten in diesem Sinne korrekte Arbeit leisten musste unlängst sogar Onkel Zöllner, seines Zeichens Wissenschaftssenator von Berlin einräumen (Tagesspiegel):

Wie viel Geld kommt aus den Beiträgen zusammen – und wie geben die Studierendenschaften es aus, wollte der FDP-Abgeordnete Sebastian Czaja in einer Kleinen Anfrage an den Senat wissen. […] Die Antwort von Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) auf die Anfrage: Die Studierendenschaften geben das Geld genau so aus, wie es das Gesetz verlangt.

An der TU Berlin hat sich das seit einiger Zeit leider geändert. Der studierenden-freundliche AStA wurde abgelöst von zwielichtigen Gestalten aus dem Dunstkreis des RCDS. Selbsterklärtes Ziel dieses Männerbundes: die Abschaffung der studentischen Selbstverwaltung. Erste Schritte haben die Studenten vom rechten Rand schon unternommen und das Beratungsangebot an der TU erheblich eingeschränkt (Quelle AStA FU:

Am 17.01 diesen Jahres hat der AStA der TU Berlin den Beschluss gefasst, die BAFöG- und Sozialberatung der studentischen Selbstverwaltung abzuschaffen. Damit wird nicht nur die funktionierende Infrastruktur der TU zerstört, sondern auch die der anderen Berliner Universitäten erheblich beeinträchtigt.
Begründet wird dies mit einem angeblichen „Mehrfachangebot“ an Beratungsstellen. Dieser Beschluss führt automatisch zu einem erhöhten Beratungsbedarf an der Freien Universität sowie der Humboldt Universität, welchen diese nicht abfangen können. Die studentische Sozialberatung der HU rechnet mit einem Anstieg von 30 Prozent an Studierenden. Durch die Umstrukturierung der Studiengänge auf Bachelor und Master besteht ein ohnehin wesentlich höherer Beratungsbedarf.
Damit wird nicht nur die funktionierende Infrastruktur der TU zerstört, sondern auch die der anderen Berliner Universitäten erheblich beeinträchtigt. Dabei besagt das Berliner Hochschulgesetz, dass der studentischen Selbstverwaltung die Aufgabe obliegt, bei der „sozialen und wirtschaftlichen Selbsthilfe der Studierenden mitzuwirken“.

Der RCDS betreibt also gezielt die Abwicklung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Selbsthilfe an der TU. Die leidtragenden sind die Studierenden an der Technischen Universität. Doch der Unmut an der TU ist groß und es steht eigentlich außer Frage, dass nach den nächsten Wahlen wieder ein progressiver AStA gebildet werden kann.

„Medizinstudent musste in Trinkflasche pinkeln“

Peinlicher Vorfall an der Freiburger Uni: Das Aufsichtspersonal einer Medizinprüfung hat einen körperbehinderten Teilnehmer nicht zur Toilette gelassen. Deshalb musste der Student, seit einem Sportunfall gehandicapt, vor allen Kommilitonen in eine Flasche pinkeln. (Alle Zitate gefunden beim Unispiegel).

In folgende Situationsbeschreibung kann sich wohl so mancher Studi reinversetzen:

120 Studenten nahmen an der Medizin-Prüfung am letzten Donnerstag teil, sie dauerte 60 Minuten. So lange sollte keiner den Raum verlassen. Und das nahmen die drei Aufsichtspersonen sehr genau: Als eine Viertelstunde vor Schluss ein Student auf die Toilette wollte, haben sie ihm das verweigert. Auch sein Hinweis darauf, dass er an einer Lähmung leidet, half nichts. Hätte der Student trotzdem den Raum verlassen, wäre er durch die Prüfung gefallen.

Das hat dann auch den Verantwortlichen eingeleuchtet, dass es eine ziemlich entwürdigende Sache gewesen sein muss, den Betroffenen nicht auf die Toilette gehen zu lassen:

Der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ist die Sache sehr unangenehm. „Ich habe mit dem Aufsichtsführenden selbst gesprochen“, sagt Rudolf Korinthenberg, zuständiger Studiendekan an der Medizinfakultät, „er ist genauso verstört wie alle anderen in diesem Fall. Sein Fehler beruht darin, dass er die Situation nicht erkannt hat. Er hat nicht verstanden, dass dieser junge Mann ein medizinisches Problem hat. Wenn er das verstanden hätte, dann wäre er zweifellos mit dem Studenten rausgegangen. Er dachte, der stellt sich nur so an.“

Der zuständige Dekan will so einem Skandal in Zukunft natürlich vorbeugen:

Ausnahmen von den strengen Prüfungsregeln müssten künftig in solchen Fällen flexibler gehandhabt werden, sagte Korinthenberg. Damit eine solche Fehleinschätzung nicht mehr vorkommt, gibt es für die Prüfungsaufseher jetzt neue Richtlinien. Darin steht ausdrücklich, dass mögliche gesundheitliche Probleme der Kandidaten bereits vor Prüfungsbeginn angesprochen und geklärt werden sollen.

Für Studierende die keine gesundheitlichen Probleme haben gilt aber wohl weiterhin: 60 min. stillsitzen ohne aufs Klo gehen zu können muss für einen Mediziner auszuhalten sein. Wir an der FU können da froh sein an der „Unternehmerischsten Hochschule“ zu studieren. Hier wird (beispielsweise bei den Juristen, haben wir uns sagen lassen) jeder Toilettengang serviceorientiert und flexibel begleitet, bis ins stille Örtchen.

Heißer Semester-Endspurt! – Berliner Studierende werden aktiv

Klausurenstress, noch ein Referat halten, Hausarbeiten wollen abgesprochen werden… Ihr kennt ihn sicher auch: den Endsemesterstress! Wir von SEMTIX sind davor natürlich auch nicht gefeit und konnten euch deshalb leider in den letzten Tagen nicht in gewohnter Weise über das Treiben an der Fu und darüber hinaus informieren. Andere Studis scheinen sich für ihr Engagement mehr Zeit zu nehmen und hängen sich am Ende des Semesters nochmal richtig rein. Die besten studentischen Aktionen der vergangenen Tage wollen wir hier kurz vorstellen

Schon vor einigen Wochen wurden die Ethno-Studis so richtig aktiv:

Die Proteste von FU Ethnologie-Studierenden gegen den Zwangsumzug ihres Institutes halten an. Am 19.01 protestierten etwa 100 Studierende mit einer Aktionskundgebung auf dem Alexanderplatz. Anschließend zogen die Studierende zuerst zum Roten-Rathaus und blockierten anschließend den “Unter den Linden”-Feierabendverkehr. Das Ethnologie Institut soll in Kürze ihre jetzigen Räumlichkeiten verlieren. Dadurch drohen den Institutsangehörigen massive Verschlechterungen. Die jetzigen Räumlichkeiten sollen zukünftig für das public-privite-partership Projekt “Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) – Berlin University for Professional Studies“ genutzt werden. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Freien Universität und dem Klett-Verlag, welche zukünftig gebührenpflichtige Weiterbildungsstudiengänge anbieten wollen. Unterstützung erfährt dieses Vorhaben vom Rot-Roten Berliner Senat.

Zur Zeit finden am Ethnologischen-Institut Aktionstage statt, mal vorbei zu schauen lohnt sich sicher. Und nach den Ferien solls mit Aktionen und Protesten weitergehen.

Eine kreative Aktion wurde am 12.02. von einigen Studierenden umgesetzt:

Vom 12. bis zum 13.02. findet in Berlin ein Symposium des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) statt. Das CHE (eine Kooperation aus der Hochschulrektorenkonferenz und der Bertelsmann Stiftung) betreibt seit Jahren Lobbyarbeit in Medien, Politik und Gesellschaft, um die Akzeptanz von Studiengebühren, Bildungsprivatisierung und Eliteuniversitäten zu erhöhen. Aus Protest haben Berliner Studierende heute mehrere Berliner Bertelsmann Buch Club Filealen besucht und diese symbolisch geschlossen.

Mehr zu der Aktion findet ihr hier.

Einen Tag später, dann bereits eine zweite Aktion:

Unter dem Motto „dein letztes Hemd für deine KommilitonInnen in Freiburg!“ veranstaltete der AK Studiengebühren/Studienkonten an der FU Berlin in der letzten Woche eine Kleidung-Sammel Aktion an der Freien Universität Berlin.
Ziel war es an der Uni über die aktuelle Studiengebühren-Situation in andern Bundesländern, sowie die Proteste dagegen zu informieren. Heute wurden die zusammengekommenden Kleidungsstücke dazu verwende die baden-württembergische Landesvertretung zu dekorieren. Einem Abteilungsleiter der Landesvertretung wurde symbolisch ein Protest T-shirt als negativ Auszeichnung für die Studiengebühren-Politik des Landes überreicht.

Mehr darüber könnt ihr hier nachlesen.

Wollt ihr selbst Aktiv werden gegen Studiengebühren und den Umbau der Hochschulen auf unsere Kosten, dann empfehlen wir von SEMTIX euch beim Berliner Bündnis für Freie Bildung zu informieren. Eine andere Anlaufstelle sind die Fachschaftsinis an der FU, hier könnt ihr euch zusammen mit anderen engagierten Studis direkt an eurem Fachbereich oder Institut einbringen. Ihr braucht dafür nirgendwo Mitglied werden und auch keinen Wahlkampf bestreiten. Wir von SEMTIX unterstützen die Fachschaftsinitiativen, weil sie basisdemokratisch, ohne „Häuptlinge“ organisiert sind und deshalb was ins Rollen bringen. Von Besserwisserei und Möchtegerns die Bundestag spielen wollen halten wir degegen nichts.

Pflaume des Monat (Februar) – Christian Füller oder warum Studiengebührengegner angeblich unsozial sind

Studiengebühren sind sozial ungerecht, dass ist bekanntlich eine Tatsache. Trotzdem gibt es viele die sich für eine Einführung von Studiengebühren einsetzen. Meistens diesselben Politiker, Wissenschaftler, Lobbyisten etc. die auch in anderen Feldern den Sozialabbau forcieren (man denke dabei nur an die Rente mit 67, die Einführung von „Hartz 4″ etc.). Nun gibt es in der politischen Landschaft der BRD aber auch andere Stimmen, die Sozialabbau im Allgemeinen und Studiengebühren im Besonderen kategorisch ablehnen. Dazu gehören natürlich in erster Linie die überwiegende Mehrheit der Betroffenen selbst. Im Fall von Studiengebühren sind das die Studierenden. Die Mehrheit der Studis lehnt das Bezahlstudium aus gutem Grund als unsozial ab. Unterstützung bekommen wir Studierende dabei nur von ganz wenigen Vertretern der etablierten Politik. Im Bundestag vertreten ist sogar nur eine einzige Partei, die sich (bisher) konsequent gegen Studiengebühren ausspricht. Nun kann man von der Linkspartei.PDS ansonsten halten was man will, in Sachen Studiengebühren vertreten sie eine fortschrittliche, soziale und nicht zuletzt klassisch linke Position: (Hochschul)Bildung soll für alle bezahlbar bleiben! Den meisten Studis dürfte die Partei zumindest in diesem Punkt aus dem Herzen sprechen.

Kritisiert wird die angeblich „starre Haltung“ der PDS in dieser Frage, vor allem von Rechts. Von Wirtschaftslobbyisten, CDU und Kinder reicher Eltern die sich im RCDS organisieren. Um so überraschender, das sich ein Journalist einer ehemals explizit linken Zeitung der „Sozialisten-Schelte“ anschließt. So war heute in der Berliner Tageszeitung taz ein Glosse des Journalisten Christian Füller zu finden, in der er der PDS abspricht in Sachen Studiengebühren eine soziale und linke Linie zu verfolgen, den so Füller, Studiengebühren seien schließlich sozial („Wer gerechte Bildung haben will, müsste […] sofort und übergangsweise Studiengebühren einführen.“) und der Schreiberling weiter:

Und da ist die populistische PDS. Sie mimt Sozialismus, indem sie Unigebühren und sogar Langzeitgebühren kategorisch ablehnt – angeblich aus sozialen Gründen. Das klingt wie links, ist aber gerade das Gegenteil davon. Für wen klassenkämpft die PDS da eigentlich? Für Studenten. Oder anders: für eine kleine Schar künftiger Akademiker. Die PDS schützt nicht die Schwachen, nicht benachteiligte Rütlikinder, sondern künftige Professoren, Beamte, Redakteure und – wie Willy Brandt einst witzelte – Landgerichtspräsidenten. Kurz: Die PDS macht einen riesigen Zinnober, um Studis 83 Euro Studiengebühr pro Monat zu ersparen. Das ist nicht links. Das ist Klassenkampf – für die Privilegierten des Bildungssystems.

Wir von SEMTIX denken: Diesen Quatsch zu kommentieren ist eigentlich überflüssig! Wer die Einführung von Studiengebühren als sozial empfindet hat schlichtweg keine Ahnung von den Lebensrealitäten der meisten Studierenden. Man muss die Linke.PDS nicht in allen Punkten toll finden, aber sie als „unsozial“ zu brandmarken, weil sie sich gegen das Bezahlstudium Stark macht ist hirnverbrannt. Die „Argumente“ die der taz-“Journalist“ vom Stapel lässt ebenfalls.
Übrigens, wer mehr über unsere „Plaume des Monats Februar“ Christian Füller erfahren will, wir beim Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) fündig:

Die tageszeitung (taz) gilt gemeinhin als eher linke Zeitung. Seit einigen Jahren aber hat sie mit Christian Füller einen starken Studiengebührenbefürworter in den eigenen Reihen, der keine Gelegenheit auslässt, gegen die Studierendenschaften zu polemisieren. Wenn die StudierendenvertreterInnen rot-grün wegen eines nicht gehaltenen Wahlversprechens angreifen, dann sind sie bei Füller die 5. Kolonne Stoibers. Protestieren zehntausende gegen Studiengebühren, dann verteidigen diese lediglich ihre Privilegien. Interviews mit Füller beginnen gerne mal so: „Na, wie ist es im Lehnsessel?“ Pünktlich zum Semesterstart ließ die taz ihren Gebührenfan wieder ran. Der Vorschlag diesmal: Studierendenvertretungen sollen selber Studiengebühren erheben, statt nur rumzumosern. Man kennt es schon: Füller pubt in seinen Berliner Sessel und rotzt die VertreterInnen der Studierenden an, die sich eh nur selbst beklatschen und in ihren Trutzburgen sitzen würden. Den ultimativen Beweis, dass die Studierenden in der Lage sind, Gebühren selbst zu erheben, tritt Füller mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten an – sie alle bezogen sich auf die Arbeit in den Studentenwerken, nicht auf Studiengebühren. Das wirklich tragische: Die taz-Redaktion steht offensichtlich hinter Füllers Geschreibe, heißt das Ganze doch „taz-Modell“ und nicht Christian-Füller-Modell.