Pflaume des Monats (Juli): George Turner, Antidemokrat

Unsere Pflaume des Monats ist diesmal ein ehemaliger Wissenschaftssenator von Berlin. Auch wenn man mit dem jetzigen Mann auf diesem Posten nicht wirklich zufrieden sein kann, zeigt das Beispiel George Turner, dass es noch viel schlimmer sein könnte. Mehr als deutlich macht dies Turner durch seine regelmäßige Kolumne im Tagesspiegel, die an Verbohrtheit und Stumpfsinn durch kaum etwas zu überbieten sein dürfte. So darf sich der Jurist im Tagesspiegel als eifriger Trommler für den neoliberalen Umbau der Hochschulen stark machen und kein noch so fadenscheiniges Argument ist dem Überzeugungstäter dafür zu blöd. Zuweilen nimmt das ganze dann auch autoritäre antidemokratische Züge an, wie ein jüngstes Beispiel zeigt, in dem Turner gegen die Einführung der Viertelparität in den Hochschulgremien wettert:

Beim Exzellenzwettbewerb wird über Zukunftskonzepte entschieden. Das heißt nicht nur, dass entsprechende Vorhaben zu Papier gebracht werden und die dafür erforderlichen Mehrheiten in den Universitäten zu gewinnen sind, sondern auch, dass eine einigermaßen sichere Gewähr dafür gegeben sein muss, dass die Projekte durchgeführt werden. Zufälligkeiten und ständig wechselnde Mehrheiten in der Zusammensetzung der Gremien sind sicher keine Garantie für Kontinuität und Stetigkeit. […]
Nur eines ist ebenso sicher: Wackelige Professorenmehrheiten, womöglich sogar die ansonsten überall als Ladenhüter abgelegte Viertelparität, stellen ein Moment der Ungewissheit und Labilität dar. Außer bei einigen unverbesserlichen Mitgliedern im Lager der jetzigen Regierungskoalition hat man das überall begriffen. [Tagesspiegel]

Eingeschränkte demokratische Mitspracherechte werden von Turner durch das angebliche Bedürfnis nach Stabilität legitimiert. Eine solche Argumentation auf die „große“ Bundespolitik
angwendet, würde letztlich einer Diktatur das Wort reden. Doch wie kommt Turner dazu, die „Exzellenz“ in Berlin um jeden Preis zu wollen? Des Rätsels Lösung ist eine einfache: Turner ist Wirtschaftslobbyist. Nach eigenen Angaben ist er Mitglied in mehreren „Beirats- und Aufsichtsgremien der Wirtschaft“ und darüber hinaus „Berater eines der großen Unternehmen der Medienbranche“. Gemeint ist die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, ein Konzern, der schon heute kräftig im Geschäft mit dem Wissen mitverdient und sich nach entgültigen Umgestalltung der Universitäten zu Wirtschaftsunternehmen noch weitaus größere Gewinne erhoffen dürfte. Das Beispiel Turner macht deutlich: Ideologen die sich für die neoliberale Umgestalltung der Hochschulen stark machen argumentieren niemals objektiv. Sie sind immer direkt oder indirekt durch die Interessen der Wirtschaft geleitet. Die Interessen von uns Studierenden oder das Ideal einer demokratischen Universität haben die Turners dieser Welt als aller letztes vor Augen.


1 Antwort auf „Pflaume des Monats (Juli): George Turner, Antidemokrat“


  1. 1 Macht keinen Unfug, ihr macht zu viel Unfug! « FUwatch Pingback am 05. Juli 2007 um 2:05 Uhr
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