Archiv für September 2007

Hexenjagd gegen linken Dozenten: Dieter Lenzen auf McCarthys Spuren

Dieter Lenzen macht den McCarthy! Es ist nicht mehr weit her mit der Freiheit von Meinung und Lehre an der FU. So hat Uni-Präsident Lenzen dem qualifiziertesten Bewerber offenbar eine Professur verweigert. Inoffizielle Begründung: Der Wissenschaftler stehe politisch zu weit links!

Als erstes Medium berichtete der Unispiegel über den neusten Streich von Politkommisar Lenzen:

Albert Scharenberg ist Nordamerika-Spezialist an der FU Berlin – der beste Kandidat für die neue Juniorprofessur am renommierten JFK-Institut, empfehlen Gutachter. Nur das Uni-Präsidium will ihn nicht: zu alt, unqualifiziert. Kollegen vermuten ganz andere Gründe für die Ablehnung.

Was sind die „ganz anderen Gründe“, die zur Ablehnung von Albert Scharenberg geführt haben? Die Berliner Zeitung versucht Licht ins Dunkel zu bringen:

Doch hinter der Ablehnung soll noch mehr stecken. Man munkelt, Präsident Lenzen habe den Namen Scharenberg gegoogelt und sei darauf gestoßen, dass dieser dem Kuratorium der Rosa-Luxemburg-Stiftung angehöre, die der Linkspartei nahesteht. Scharenberg ist auch Redakteur der kritischen „Blätter für deutsche und internationale Politik“ – und damit viel zu links für den neoliberalen FU-Präsidenten, sagen Uni-Mitarbeiter, die nicht genannt sein wollen.

Inzwischen hat auch der AStA der FU Stellung zu dem Vorfall bezogen:

Diese Handlung ist alles andere als politisch neutral. Der AStA stellt fest, dass gerade hier das politische Einwirken des Präsidiums über die Expertise eigentlich zuständiger Gremien gestellt wird. „Es ist zu vermuten, dass diese Entscheidung mit der linken politischen Positionierung des Kandidaten zusammenhängt“, unterstreicht Inga Nüthen, Fachschaftsreferentin des AStA FU. Auch die Bedeutung des Instituts im Rahmen der Exzellenzinitiative passt in dieses Bild: „Dass das JFK den Zuschlag für die Förderung als ‚Graduate School of North American Studies‘ bekommen hat, war sicherlich ein weiterer Grund für das politische Eingreifen des Präsidiums“, ergänzt Elsa Koester, Öffentlichkeitsreferentin des AStA FU.

Wir von SEMTIX wundern uns schon lange nicht mehr über das Verhalten von Dieter Lenzen. Denn eines steht fest: Der Mann ist Überzeugungstäter! Sprachrohr der neoliberalen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und verantwortlichen für den immer weiter vorranschreitenden geistigen Kahlschlag an unserer Universität. Statt kritische und fähige Wissenschaftler an die FU zu holen, die wirklich mal etwas „Exzellenz“ nach Dahlem bringen würden, schahrt „McCarthy-Lenzen“ seit Jahren gezielt neoliberale Nullen um sich. Der Weg zur unternehmerischsten Hochschule scheint zwingen durch geistige Tiefebenen führen zu müssen.