Archiv für Oktober 2007

„Elite-Eklat“ an der FU – Riesen Stunk auf der Imma-Feier!

Gestern war Immatrikulationsfeier im Henry-Ford-Bau und die hätte sich Uni-Präsident Lenzen sicher ganz anders vorgestellt:

Stinkbomben und Sprechchöre verhindern reibungslosen Veranstaltungsablauf.Rede des Uni-Präsidenten gestört. Lenzen verlässt frühzeitig unter Jubel den Saal. [AStA FU]

Es muss jemand geahnt haben, dass es im Henry-Ford-Bau der Berliner FU heute hoch hergehen würde. Die Uni ließ am Eingang zu ihrer traditionellen Immatrikulationsfeier einen privaten Sicherheitsdienst stichprobenartig Leute kontrollieren, vor der Tür patrouillierte die Berliner Bereitschaftspolizei – das sagt zumindest der Allgemeine Studierendenausschuss. Und drinnen – da gab es Saures für Dieter Lenzen, den Präsidenten der FU, die sich neuerdings Elite-Uni nennen darf. [UniSpiegel]

Bereits am Eingang zum Saal der Immatrikulationsfeier protestierten einige Studenten den Angaben zufolge durch die Vorstellung des „Exzellenzclusters Vergleichendes Dosenstechen“. Unter dem Motto „auch Elite braucht Frühstück“ luden sie mit Freibier zu einem „entspannteren Uni-Start“ ein. AStA-Referentin Inga Nüthen formulierte in ihrer Rede die Kritik an der Exzellenzinitiative: „Wir sind aktuell als Studierende alle Teil eines europaweiten Experiments, das gerade an der FU besonders fehlschlägt.“ Dieses mache Bildung zu einer „international handelbaren Dienstleistung“. Was als exzellent ausgezeichnet worden sei, seien „eben nicht Lehre und Studienbedingungen, sondern gut vermarktbare Forschungsergebnisse“. [Tagesspiegel]

Ob es nicht charmantere Protestormen gibt als Stinkbomben zu werfen, sei einmal dahin gestellt. Aber die Aktion hat gezeigt, dass der Unmut unter den FU Studierenden über die Elite-Entscheidung groß ist. Immer mehr Studierenden wird bewusst, dass sie nur die leidtragenden von solchen Elite-Bildungsprozessen sein werden. Es wird endlich Zeit, dass sich die Verantwortlichen nach demokratischen und gerechten Alternativen zum Exzellenz-Zirkus umkucken.

Auch ein blindes Huhn (2) …

Nachdem schon Richard von Weizsäcker unlängst mit ganz vernünftigen Einsichten aufgefallen war, versucht „Elite-Dieter-Lenzen“ jetzt offensichtlich (in einem Tagesspiegel-Interview) nachzulegen:

Den Begriff Eliteuni lehne ich übrigens ab, er weckt die falsche Assoziation, hier werde nur die Elite ausgebildet.

Berlin braucht keine Superuni.

Studiengebühren sind sozial selektiv.

Na geht doch Dieter! Zumindest erzählt „unser“ Uni-Präsident nicht mehr nur ideologischen, neoliberalen Unsinn. Das zumindest ist ein Fortschritt. Die Wahl der FU zur „Elite-Uni“ kann allerdings trotz allem nicht als solcher bezeichnet werden…

Warum es schlecht ist das die FU „Elite-Uni“ geworden ist

Nun ist es also amtlich: Die FU Berlin ist „Elite“. Der Uni-Präsident Lenzen behauptet dies sei ein Grund zur Freude, auch für uns Studierende. Das dem nicht so ist, verstehen inzwischen immer mehr Wissenschaftler und Journalisten. Denn Tatsache bleibt: Wissenschaftsfreiheit, Studienbedingungen, Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Pluralismus der Lehre, dass alles leidet unter der „Exzellenz-Initiative“. Wir von SEMTIX haben uns die Berichterstattung zur „Elite-Wahl“ genau angeschaut und die wichtigsten Argumente contra Elite-Uni-Zirkus. zusammengetragen:

Die Hochschulen in Deutschland werden durch den Elite-Wettbewerb eher geschwächt als gestärkt. [Richard
Münch/UniSpiegel
]

Die Studierenden profitieren nicht vom Elite-Wettbewerb. [Jörg
Michel/Berliner Zeitung
]

„Statt die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland zu fördern, vertiefen Bund und Länder mit ihrem milliardenschweren Programm das Gefälle zwischen Ost und West, Nord und Süd. Wir brauchen aber keine ‚Leuchttürme in der Wüste’. Spitzenförderung setzt ein breites Fundament voraus“ [Andreas Keller/GEW]

Der Elite Wettbewerb hat zu einem einem antidemokratischen Umbau der Freien Universität Berlin geführt [AStA FU]

Es entsteht eine Zwei-Klassen-Hochschullandschaft in Deutschland. [Richard Münch/UniSpiegel]

Die Lehre an den Hochschulen verbessert sich nicht an den „Elite-Unis“. [Jörg Michel/Berliner Zeitung]

„Die Exzellenzinitiative verschärft die Strukturprobleme des deutschen Hochschulsystems, statt diese zu lösen“ [Andreas Keller/GEW]

„Die Exzellenzinitiative aber befördert das Gegenteil. Sie spaltet nicht nur die Hochschulen in Gewinner und Verlierer. Sie spaltet langfristig auch das gesamte System: in ein paar Spitzen-Unis für wenige Ausgewählte und in viele Lehr-Unis für die breite Masse.“ [Jörg Michel/Berliner Zeitung]

„Der Elite-Wettbewerb schwächt die Hochschulen“ oder warum Elite uns Studierenden nichts bringt

Lesenswertes Interview beim UniSpiegel:

Spitzenunis findet Richard Münch überhaupt nicht spitze – sondern überflüssig. Im Interview erklärt der Bamberger Soziologe, warum er das Geld aus der Exzellenzinitiative für ein „problematisches Geschenk“ hält und den Studenten eher Nachteile drohen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die FU so schnell keine „Elite-Uni“ wird. Wir Studierende könnten uns freuen.

Mutig! – AStA der ASFH gegen Medienriese Bertelsmann

Die Kritik am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) der Bertelsmann Stiftung ist wohl so alt wie das CHE selbst und mehr als berechtigt (Eine Sammlung CHE kritischer Artikel findet ihr hier). Nun hat in Berlin endlich wieder jemand den Mut aufgebracht, dem neoliberalen Think Tank öffentlichwirksam paroli zu bieten. Der Asta der Alice-Salomon Fachhochschule ruft die Studierenden der ASFH dazu auf, dass CHE-Ranking zu ignorieren und die Feldarbeit zu boykottieren:

Der AStA der ASFH, stellt sich gegen diese Entwicklung, wir haben unsere Studierenden Aufgerufen das diesjährige CHE-Ranking zu boykottieren.
Wir sind nicht gewillt in einer ohnehin schon auf Wettbewerb und Verwertbarkeit ausgerichteten Gesellschaft uns auch diesem, von wirtschaftlicher Seite erdachten- das CHE ist ein Produkt der Bertelsmann Stiftung- weiteren Instrument der Einflussnahme von reaktionären Strömungen auf die Hochschullandschaft zu unterwerfen.

Unsere Hochschulleitung hat nach Bekanntgabe unseres Boykotts, neben der Androhung von Repressalien welche die freie Meinungsäußerung betreffen, zu einer offenen Diskussion über dieses Thema mit allen Studierenden der betroffenen Semester am Donnerstag den 18.10.07 um 11.00 Uhr aufgerufen. Andrea Remmers vom AStA erklärt hierzu: „Wir laden hiermit auch alle anderen an diesem Thema interessierten Menschen zu dieser Diskussion ein. Wir sind der Auffassung, dass nun Schluss sein muss mit Heimlichkeiten und unzufriedenem Gemunkel in den Hinterzimmern“.

Wir von SEMTIX finden diesen Aufruf spitze! Denn wir Studierenden müssen uns darüber klar werden, das uns Rankings wie das des CHE nichts bringen. Von Studiengebühren, stärkerer Verschulung und sozialer Auslese an den Hochschulen mal abgesehen. Die Arbeit von Bertelsmann Stiftung und co. zielt nicht darauf ab unsere Studienbedingungen zu verbessern sondern den Weg zu ebnen für einen der Zukunftsmärkte schlecht hin: den internationale Bildungsmarkt. Ist dieser erst mal installiert, liberalisiert und „dereguliert“ ist der Weg frei für die großen Medienunternehmen weltweit richtig abzukassieren. Allen voran: die Firma Bertelsmann…

Hexenjagd gegen linken Dozenten … geht weiter!

Wie bereits berichtet will die Uni-Leitung der FU um Dieter Lenzen den links-liberalen Wissenschaftler Dr. Albert Scharenberg nicht auf einem Professoren-Stuhl haben. Nicht nur wir von SEMTIX meinen: eindeutig aus politischen Motiven!

Auf dem studentischen blog fuwatch findet sich mitlerweile eine ausführliche Dokumentation der „McLenzen Affäre“.

Wenn dieses Beispiel Schule macht und die Universitätspräsidenten nach eigenen politischen Vorlieben die Professorinnen und Professoren auswählen, ist die vielbeschworenen „Freiheit der Wissenschaft“ Schnee von gestern.

Richard von Weizsäcker oder Auch ein blindes Huhn…

Sonst kann man den Ex-Bundespräsident eher dem gediegenen Liberal-Konservatismus zurechnen. Aber außnahmsweise hat auch er mal die bundesdeutsche Hochschullandschaft ideologie-frei betrachtet und festgestellt:

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist von der Umstellung der Studiengänge in Deutschland auf Master und Bachelor nicht begeistert. […] die Verschulung verhindert, dass man sich ein Bild von der Welt macht – und das kann man doch nur als
Student.» Hochschulen müssten «einen starken Anflug von Studium generale erfüllen und den Studenten verlockend nahe bringen», sagte der 87-Jährige. [pr-inside]

Wir von SEMTIX sagen dazu: Richtig Richard!